Schwule Klassenkenntnis: Perihan Mağdens «Ali und Ramazan»

Aktualisiert am 17. Mai 2012. – Salih Alexander Wolters Rezension zu Perihan Mağdens Roman Ali und Ramazan erschien gedruckt in Rosige Zeiten, Ausgabe Mai/Juni 2012 (Volltext). Im Folgenden eine leicht überarbeitete Fassung, die parallel auch auf www.schwule-seite.de veröffentlicht wurde (Direktlink):

Ali und RamazanDer packendste «schwule» Roman seit langem ist von einer Frau und kommt aus der Türkei: Ali und Ramazan von Perihan Mağden, einer prominenten gesellschaftskritischen Autorin und Kolumnistin, war dort 2010 «Buch des Jahres» und stand monatelang auf der Bestsellerliste, der Film dazu kommt demnächst in die Kinos. Hierzulande hat diese Geschichte bei einigen Rezensenten – das Wort muss, soweit ich die erschienenen Artikel überblicke, in diesem Fall nicht gegendert werden – Anstoß erregt. (mehr…)

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Freitext 19: Neue türkische Literatur

Das neue Heft des Kultur- und Gesellschaftsmagazins Freitext wird am Freitag, dem 20. April, im Ballhaus Naunynstraße in Berlin-Kreuzberg gefeiert. Ab 21 Uhr tragen Mutlu Ergün (a.k.a. Sesperado Lyrical Guerilla Berlin), Moona Moon, die Angry Birds u. a. dort ihre «gesammelten Kopfschmerzen» vor. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Literaturreihe «Vibrationshintergrund» statt, die von dem Schriftsteller Deniz Utlu kuratiert wird. Utlu, bekannt für seine «Minimals» und als Mitautor des Bestsellers Manifest der Vielen, ist zugleich Herausgeber der zweimal jährlich erscheinenden Zeitschrift, die versucht, «eine transkulturelle Perspektive auf die Kulturproduktion in Deutschland zu etablieren». Die aktuelle Ausgabe – zu Inhaltsverzeichnis, Editorial und Leseproben hier; Informationen zu Bezugsmöglichkeiten gibt es hier – bietet u. a. einen Einblick in die Gegenwartsliteratur der Tükei: Die Erzählungen von Karin Karakaşlı, Menekşe Toprak, Serkan Türk und Güray Süngü wurden von Koray Yılmaz-Günay übersetzt. Salih Alexander Wolter hat drübergelesen.

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Apropos Gramsci

In meiner Partei, der DKP, läuft seit Monaten ein Streit um Antonio Gramsci, wobei, wie der kommunistische Philosoph Robert Steigerwald in einer gestern veröffentlichten ausführlichen Stellungnahme schrieb, der theoretische Bezug auf den Mitbegründer der italienischen KP und bedeutenden marxistischen Denker nur den «Vordergrund» bildet, während es dahinter um «die Diskussion des Partei-Verständnisses» eines Teils der DKP-Führung geht. Das Nötige dazu hat Steigerwald jetzt also gesagt, und es kann hier nachgelesen werden (Direktlink).

Leider kommt bei alldem weiterhin zu kurz, «wie sehr uns eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Werk des großen italienischen Kommunisten helfen könnte, unter unseren Bedingungen bessere Marxisten-Leninisten zu werden» (mehr…)

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Leander Sukov: «Warten auf Ahab»

Warten auf Ahab Zuletzt aktualisiert am 15. Mai 2012. – Endlich auch offiziell raus:
• Leander Sukov: Warten auf Ahab oder Stadt Liebe Tod. Roman
, Berlin 2012: Kulturmaschinen Verlag. Lektorat: [Salih] Alexander Wolter. Den Mittschnitt einer Lesung des Autors im Café Anton Hannes im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2012 kann man sich hier anhören. Erste – sehr positive – Rezensionen gibt es von Peter H. Gogolin, Volker Gransow und Roman Stelzig. Eine phantastische Reaktion von Marcel Malachowski auf dieses großartige Stück zeitgenössischer Literatur bringt der Freitag (Direktlinks zu den Beiträgen). Bei Facebook hat das Buch eine eigene Fanseite. Ebenfalls im Freitag findet sich ein gutes Portrait des Autors (Direktlink).

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Lenin über Antisemitismus

Aus vielfach gegebenem Anlass möchte ich an vollkommen klare Worte von Wladimir Iljitsch Lenin über den Antisemitismus erinnern. Er sprach sie Ende März 1919 (gedruckt in Band 29 der Werkausgabe, Berlin/DDR 1970, S. 239f) :

«Antisemitismus nennt man die Verbreitung von Feindschaft gegen die Juden. […]
Nicht die Juden sind die Feinde der Werktätigen. Die Feinde der Arbeiter sind die Kapitalisten aller Länder. Unter den Juden gibt es Arbeiter, Werktätige: sie bilden die Mehrheit. Was die Unterdrückung durch das Kapital anbelangt, sind sie unsere Brüder, im Kampf für den Sozialismus sind sie unsere Genossen. Unter den Juden gibt es Kulaken, Ausbeuter, Kapitalisten; wie es sie unter den Russen, wie es sie unter allen Nationen gibt. Die Kapitalisten sind bemüht, zwischen den Arbeitern verschiedenen Glaubens, verschiedener Nation, verschiedener Rasse Feindschaft zu säen und zu schüren. Die Nichtarbeitenden halten sich durch die Stärke und die Macht des Kapitals. Die reichen Juden, die reichen Russen, die Reichen aller Länder unterdrücken und unterjochen im Bunde miteinander die Arbeiter, plündern sie aus und entzweien sie.
Schande über den verfluchten Zarismus, der die Juden gequält und verfolgt hat. Schmach und Schande über den, der Feindschaft gegen die Juden, Hass gegen andere Nationen sät.
Es lebe das brüderliche Vertrauen und das Kampfbündnis der Arbeiter aller Nationen im Kampf für den Sturz des Kapitals.»

Auf diese kurze Erklärung bezieht sich Pier Paolo Pasolini in den Freibeuterschriften, die auf Deutsch zuerst 1978 im westberliner Wagenbach-Verlag erschienen, der sie heute albernerweise als «Grundlagenbuch der Grünen» verkauft. In einem der Texte des Bandes heißt es, wenn man den Homosexuellen tatsächlich «einen Platz in der ‹Normalität› geben will, dann wüsste ich keinen besseren Weg als den, der von Lenin am Beispiel der Juden aufgezeigt wird; und der hat seinen Ausgangspunkt nun gewiss nicht in einer Perspektive toleranten Zusammenlebens». Zugleich erinnert Pasolini daran, «dass es für einen Menschen unerträglich ist, ertragen zu werden» (zitiert nach der Erstausgabe, S. 120).

Das Lenin-Foto oben links wurde von Ronald M. Schernikau handkoloriert und findet sich auf www.schernikau.net als Illustration zu seiner «Huldigung an Andy Warhol, den einzigartigen, undemokratischen, nicht wiederholbaren, den letzten Verfechter des traditionellen Kunstbegriffs».

Salih Alexander Wolter

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