Aus vielfach gegebenem Anlass möchte ich an vollkommen klare Worte von Wladimir Iljitsch Lenin über den Antisemitismus erinnern. Er sprach sie Ende März 1919 (gedruckt in Band 29 der Werkausgabe, Berlin/DDR 1970, S. 239f) :
«Antisemitismus nennt man die Verbreitung von Feindschaft gegen die Juden. […]
Nicht die Juden sind die Feinde der Werktätigen. Die Feinde der Arbeiter sind die Kapitalisten aller Länder. Unter den Juden gibt es Arbeiter, Werktätige: sie bilden die Mehrheit. Was die Unterdrückung durch das Kapital anbelangt, sind sie unsere Brüder, im Kampf für den Sozialismus sind sie unsere Genossen. Unter den Juden gibt es Kulaken, Ausbeuter, Kapitalisten; wie es sie unter den Russen, wie es sie unter allen Nationen gibt. Die Kapitalisten sind bemüht, zwischen den Arbeitern verschiedenen Glaubens, verschiedener Nation, verschiedener Rasse Feindschaft zu säen und zu schüren. Die Nichtarbeitenden halten sich durch die Stärke und die Macht des Kapitals. Die reichen Juden, die reichen Russen, die Reichen aller Länder unterdrücken und unterjochen im Bunde miteinander die Arbeiter, plündern sie aus und entzweien sie.
Schande über den verfluchten Zarismus, der die Juden gequält und verfolgt hat. Schmach und Schande über den, der Feindschaft gegen die Juden, Hass gegen andere Nationen sät.
Es lebe das brüderliche Vertrauen und das Kampfbündnis der Arbeiter aller Nationen im Kampf für den Sturz des Kapitals.»
Auf diese kurze Erklärung bezieht sich Pier Paolo Pasolini in den Freibeuterschriften, die auf Deutsch zuerst 1978 im westberliner Wagenbach-Verlag erschienen, der sie heute albernerweise als «Grundlagenbuch der Grünen» verkauft. In einem der Texte des Bandes heißt es, wenn man den Homosexuellen tatsächlich «einen Platz in der ‹Normalität› geben will, dann wüsste ich keinen besseren Weg als den, der von Lenin am Beispiel der Juden aufgezeigt wird; und der hat seinen Ausgangspunkt nun gewiss nicht in einer Perspektive toleranten Zusammenlebens». Zugleich erinnert Pasolini daran, «dass es für einen Menschen unerträglich ist, ertragen zu werden» (zitiert nach der Erstausgabe, S. 120).
Das Lenin-Foto oben links wurde von Ronald M. Schernikau handkoloriert und findet sich auf www.schernikau.net als Illustration zu seiner «Huldigung an Andy Warhol, den einzigartigen, undemokratischen, nicht wiederholbaren, den letzten Verfechter des traditionellen Kunstbegriffs».
Salih Alexander Wolter